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Spitz auf Knopf – Riesen Chance für Berlin!

Kolumne von Georg Gafron

Nach 14 Jahren Dornröschenschlaf ist mit einem Mal ein uralter Traum Berliner Stadtplaner wiedererwacht: Die Bebauung des Tempelhofer Feldes. Mit einer Fläche von 300 Hektar ist das ehemalige Flughafengelände eine der größten innerstädtischen Brachflächen der Welt!

Durch einen Volksentscheid ist die städtebauliche Nutzung 2014 scheinbar für immer aufs Eis gelegt worden.

Doch was heißt schon für immer! Neues Nachdenken ist angesichts größerer Herausforderungen nicht verboten! Zumal: Hatten im Frühjahr 2014 noch knapp 64% der Berliner gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes votiert, hat sich bis heute ein Stimmungswandel vollzogen. Nach einer aktuellen Umfrage der IHK sprechen sich heute 59% dafür aus. Sicher auch ein Grund für eine Gruppe Stadtplaner und Investoren rund um den renommierten Architekten Hans Kollhoff, mit einer neuen Initiative für das Tempelhofer Feld an die Öffentlichkeit zu gehen.

Herausgekommen ist ein Konzept zur Randbebauung des Riesenareals mit Wohnfläche für über 50.000 Berliner in angemessener Mieterstruktur für eine sozial durchmischte, vornehmliche Nutzung junger Familien in architektonisch angepasster Blockhausstruktur. Ein Drittel der insgesamt vorhandenen Fläche würde dafür beansprucht.

Kaum lagen die Pläne auf dem Tisch, erhob sich ein breiter Proteststurm des rot-grünen Milieus. Ein Großteil, der durch abgesicherte Jobs im öffentlichen Dienst gut Versorgten erhob plötzlich einen ewigen Besitzanspruch auf die Gesamtfläche, die sie als eine Art Wohlfühleffekt mit Ewigkeitsgarantie ansehen. Auf die vielen Tausenden verzweifelt Wohnungssuchenden in unserer Stadt muss das wie blanker Hohn wirken.

Der Verweis der Besitzstandswahrer auf viele leerstehende Büroflächen und andere über die Stadt verstreute Landesflächen ist weder vergleichbar in der Verfügung noch in einer absehbaren Umsetzung.

Im Kern geht es um nichts anderes als die Befriedigung gut vernetzter Gruppeninteressen auf dem Rücken des Allgemeinwohls.

Der in Berlin Regierende Bürgermeister Wegner hat die soziale Sprengkraft des anhaltenden Wohnungsmangels längst erkannt. So verwundert es nicht, dass er sofort seine Unterstützung des Kollhoff-Projektes bekannt gab. Unweigerlich wurde es damit zum Kampfobjekt mit Blick auf die Wahlen im September. Prompt widersprachen SPD und Grüne dem Ansinnen und brachten altbekannte klimatische Argumente ins Spiel. Die CDU konterte: „Für sie sei das Thema Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld nicht verhandelbar.“ Bei kommenden Koalitionsverhandlungen werde dies ein Schwerpunkt sein. Schon jetzt ist klar, dass das Thema Tempelhofer Feld ein eigenes Schlachtfeld im Wahlkampf wird – aggressiv und ideologisch überladen.

Denn, ein Schelm, der nichts Böses dabei denkt, nutzt doch die anhaltende Wohnungsnot auch denjenigen, nicht nur in der Links-Partei, die das Problem als agitatorischen Hebel gegen das private Wohneigentum und seine Enteignung nutzen wollen. Doch zum Ende noch eine Idee: Wie wäre es mit einem Internationalen Wettbewerb zur Gestaltung eines großstädtischen Spieleparks für Groß und Klein auf den restlichen 200 Hektar?

Was für ein Magnet für die Stadt. Nachdenken muss erlaubt sein!