Spitz auf Knopf – Berlin auf toxischen Gewässern
Kolumne von Georg Gafron
„Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben,
und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben… Oh die Geister, die ich rief,
werd ich nicht mehr los.“
(aus „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang Goethe – 1798)
In unserer Realität melden sich die bösen Geister schon, bevor sie überhaupt die Macht übernommen haben. Schon jetzt hat die Linke-Vorsitzende und Regierende Bürgermeisterin unserer Stadt in spe, Elif Eralp, die kalte Klinge eines Teils ihrer besten Anhänger aus dem Terror- und Clanmilieu zumindest in ihren Gedanken, zu spüren bekommen. Kurzum: Sie traute sich in einem Interview mit dem „Spiegel“, die Frage eines Journalisten nach der Rolle eines Bekannten und der Hamas nahestehenden Berliner Palästinensers und ihrer Beziehung zu ihm, aus Angst vor möglichen Repressalien der Szene, nicht zu beantworten. Mit anderen Worten: Die angehende Nummer 1 in der Berliner Politik hat offenkundig Angst vor ihrem eigenen Umfeld – ein nicht nur in der Geschichte Berlins einmaliger Vorgang.
Doch wirklich erstaunt darüber kann niemand sein, der näheren Einblick in die Strukturen dieser Partei in Berlin hat. Ganz offenkundig hat die Mobilmachung der radikalen Arabergemeinde an den Urnen ihren Preis, der nun auch eingefordert wird. Da es sich dabei ohne jeden Zweifel um ein Entgegenkommen gegenüber dieser Szene in Fragen der öffentlichen Sicherheit der Stadt handelt, bedarf es hier dringender Aufklärung und Klarstellungen. Man kann sogar froh sein, dass derartige Fakten noch vor der formellen Amtsübernahme der Frau Eralp ans Tageslicht gekommen sind. Zumindest kann später niemand behaupten, man habe von nichts gewusst.
Das muss ebenso wenig zwangsläufig zu einem Abbruch der dunkelrot-grünen-roten Verhandlungen in Berlin kommen. Zu groß ist die Sehnsucht so vieler Herzen bei den Grünen und in der Sozialdemokratie nach einer sozialistischen Hauptstadt, als dass man die Chance dazu einfach so vergeben würde. Wie also soll es in Berlin weitergehen?
Jeder muss wissen, dass es sich dabei um eine gefährliche Fahrt durch toxische Gewässer handelt. Anzunehmen, dass sich der aggressive Hass gegen den Staat Israel und seine Menschen einfach durch ein paar unterschriebene Floskeln in Rauch auflösen würde, gleicht dem Glauben an die Existenz des Weihnachtsmannes. Antisemitismus und die Beseitigung des Staates Israel, diesem „kapitalistischen Übel und Ziehkind der USA“, gehören zur DNA auch radikaler Araber und damit eines wichtigen Teiles der Berliner Linkspartei. Es ist deshalb davon auszugehen, dass entsprechende Demonstrationen und Willensbekundungen auch weiterhin zum öffentlichen Erscheinungsbild dieser Partei gehören werden.
Dauerzoff ist in der Koalition damit angesagt. Ob die Sozialdemokraten und die Grünen wirklich wissen, worauf sie sich da einlassen?
Ein anderer großer Konfliktstoff, nämlich das Gerangel um die Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften, dürfte sich im Laufe der Zeit infolge der langwierigen Rechtswege beruhigen, zumal nicht anzunehmen ist, dass der lange Arm der Clans bis auf die Richtertische in Karlsruhe reicht.
Eine sehr viel schneller spürbare Wirkung dürfte die Zurückhaltung oder gar die Flucht aktueller und möglicher zukünftiger Investoren aus der Stadt Berlin sein. Denn wer möchte schon als Investor ständig um sein Geld bangen? Die Welt besteht eben nicht nur aus Berlin. Auch ist anzunehmen, dass sich die Bevölkerungsstruktur weiter verändert. Wohlhabende suchen das Weite, und andere kommen erst gar nicht nach Berlin. Abschrecken dürfte schon das Schulwesen und die überwiegend linke Lehrerschaft, die jetzt noch mehr Rückendeckung und Auftrieb erfährt, wie sich überhaupt das gesellschaftliche Klima in der Stadt entbürgerlichen wird. Dazu gehören auch neue Steuern und Erhöhungen plus weitergehende Verstaatlichungsfantasien.
Es sei denn, die Vernunft und die Nachdenklichkeit besonders der SPD-Wähler führen zu einer roten Karte für die Parteispitze. So soll es ja einen Mitgliederentscheid geben. Die Fahrt durch toxische Gewässer wird jedenfalls noch eine Weile weitergehen.
Das Ende ist offen und alles Weitere auch.
